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Technischer RatgeberRadlast und Gebäudestatik
Was ist die Radlast eines Krans, wie wird sie ins Gebäude eingeleitet, worauf ist beim Nachrüsten in ein Bestandsgebäude zu achten, und wann wird eine freistehende Kranbahnkonstruktion benötigt.
Was Radlast ist
Das Eigengewicht des Krans und die von ihm gehobene Last werden über die Räder in die Kranbahn eingeleitet. Die Kraft, mit der jedes Rad auf die Schiene drückt, heißt Radlast und ändert sich mit der Position des Krans: nähert sich die Laufkatze einem Ende, steigt die Radlast auf dieser Seite.
Bei der Berechnung wird der ungünstigste Fall zugrunde gelegt: maximale Last, Laufkatze am äußersten Punkt und dynamische Effekte werden gemeinsam berücksichtigt.
Nicht nur vertikal
Ein auf der Gebäudeseite oft übersehener Punkt ist, dass der Kran der Konstruktion nicht nur vertikale Last aufbringt. Beim Beschleunigen und Bremsen entstehen horizontale Kräfte; eine Schräglaufneigung erzeugt zudem eine seitliche Kraft auf die Kranbahn.
Diese horizontalen Komponenten sind besonders bei konsolgetragenen Kranbahnen und bei Halbportalausführungen entscheidend. Eine Prüfung, die nur die vertikale Last berücksichtigt, bleibt unvollständig.
Kran in ein Bestandsgebäude einbauen
| Zu prüfen | Warum |
|---|---|
| Stützenquerschnitt und -tragfähigkeit | Können vertikale und horizontale Kranlasten aufgenommen werden |
| Konsolanschluss | Schweiß-/Schraubdetail der die Kranbahn tragenden Konsole |
| Fundament und Baugrund | Setzungsrisiko bei erhöhten Lasten |
| Vorhandene Kranbahn | Ist das Profil ausreichend, liegt die Geometrie in Toleranz |
| Dachkonstruktion | Bei geplantem Hängekran Kapazität von Binder und Pfette |
| Horizontale Stabilität | Verhalten der Konstruktion unter Brems- und Schräglaufkräften |
Diese Prüfungen führt die für die Gebäudestatik zuständige Stelle durch; der Kranhersteller liefert die Lasten.
Drei Lösungswege
Leichterer Kran: der Wechsel zum Einträger, eine geringere Spannweite oder die Anpassung der Tragfähigkeit an den tatsächlichen Bedarf senken die Radlasten deutlich. In den meisten Projekten der wirtschaftlichste Weg.
Verstärkung: Ertüchtigung von Stütze, Konsole oder Fundament. Kostenintensiv und produktionsstörend, aber nötig, wenn das Gebäude andernfalls nicht geeignet ist.
Freistehende Kranbahnkonstruktion: die Kranbahn steht auf eigenen Stützen statt auf dem Gebäude. Das Gebäude wird vollständig von den Lasten entlastet; bei geeignetem Baugrund eine saubere Lösung. Der Portalkran ist eine weitere Ausprägung derselben Logik.
Fachbegriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Radlast | Die Kraft, die ein Rad auf Schiene und Konstruktion überträgt. |
| Horizontalkraft | Seitliche Lasten aus Beschleunigung, Bremsung und Schräglauf. |
| Konsole | Ein von der Stütze auskragender Träger, der die Kranbahn trägt. |
| Freistehende Kranbahnkonstruktion | Ein Stahlbau, der die Kranbahn unabhängig vom Gebäude trägt. |
| Dynamischer Effekt | Die durch Bewegung und plötzliche Belastung verursachte Erhöhung gegenüber der statischen Last. |
Häufig gestellte Fragen
Wer liefert die Radlasten?
Der Kranhersteller dokumentiert nach der Auslegung die Radlasten im ungünstigsten Fall und die horizontalen Komponenten. Diese Werte werden auf der Gebäudeseite verwendet.
Mein Gebäude ist alt und es gibt keine Statik. Was tun?
Der vorhandene Bau benötigt eine Bestandsaufnahme und Zustandsanalyse. Annahmen ohne statischen Nachweis sind riskant; in den meisten Fällen ist eine freistehende Kranbahnkonstruktion der sicherere Weg.
Um wie viel sinken die Lasten, wenn ich statt Zweiträger einen Einträger wähle?
Deutlich, weil das Eigengewicht des Krans sinkt. Allerdings verringern sich auch Hubhöhe und Ausstattungsmöglichkeiten; die Entscheidung muss gemeinsam getroffen werden.
